Was nicht passt, muss man sich passend machen, so dass auch der kleine Timba auch drüber kommt.

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Ich lehne mich mal etwas aus dem Fenster und behaupte, dass in Deutschland die allermeisten 4×4 Geländewagen in ihrem Autoleben niemals richtiges Gelände sehen werden (mit Gelände meine ich nicht einen normalen Feldweg). Und bei den SUVs wird es wohl fast jeder sein, der ausschließlich auf der Straße bewegt wird. Natürlich möchte ich jetzt niemanden ermutigen, nur weil man es (theoretisch) könnte, querbeet über Feld und Flur zu kacheln, denn das dürfte generell auch gar nicht erlaubt sein. Die meisten werden das aber auch gar nicht vorhaben und nutzen Ihr Gefährt eher für die Einkaufstour in die City oder um die lieben Kleinen in den Kindergarten oder zur Schule zu fahren.

Timba unser Jimny, sollte nicht dieses Schicksal einer seiner Art nicht gerechten Haltung erleiden und so waren wir am vorletzten Wochenende 3 Tage mit ihm und mit mir, seinem Fahrer, im Offroad-Training.

Gunnar hatte mir dieses professionelle Training bereits 2019 zu Weihnachten geschenkt. Zu der Zeit hatte ich den Jimny gerade erst bestellt, nicht wissend, dass sich die Auslieferung wegen der großen Nachfrage arg verzögern sollte. Als ich meinen Suzuki Jimny dann endlich 2020 bekommen hatte waren wir mitten in der Pandemie und an so eine Veranstaltung war gar nicht zu denken. Nun aber sollte es endlich soweit sein und wir freuten uns Beide auf dieses kleine Abenteuer.

Die Anreise zum Offroad-Training nach Brandenburg

Vor dem Spaß stand die Anreise. Das Training von TC-Offroad-Trekking fand im Motorsportzentrum im brandenburgischen Jänschwalde statt, so dass etwa 475 Km Autofahrt vor uns lagen. Auch wenn der Jimny 150 Km/h fahren kann, beließ ich es bei etwa 110 Km/h, denn alles andere wäre wegen seiner grobstolligen Geländereifen kein Spaß. Wir planten deshalb auch etwa 5:30h für die Fahrt ein, was eine ganz gute Schätzung war.

Ankunft und Vorbereitung der Fahrzeuge

Als wir Freitag Nachmittag in Jänschwalde ankamen, wurden wir von unserem Trainingsleiter und vier Guides bereits erwartet und bekamen eine erste kleine Einweisung. Wir hatten das Training mit Übernachtung in einer der Blockhütten auf dem Gelände gebucht und brachten erst einmal unser Gepäck dorthin. Danach trafen wir uns auf dem Parkplatz und bereiteten unseren Wagen für die kommenden Tage im Gelände vor. Das heißt wir bekamen ein Funkgerät verpasst und haben den Reifendruck der Reifen reduziert. Das empfiehlt sich immer dann, wenn man wie hier auf sehr weichem Untergrund fährt. Dadurch steht der Reifen auf mehr Fläche und hat besseren Grip. Uns wurden etwa 1,5 bar Druck auf jedem Reifen empfohlen. Außerdem verstauten wir unsere KFZ-Kennzeichen im Kofferaum, denn nichts wäre ärgerlicher, sie irgendwo im Gelände zu verlieren, was wohl schon häufiger vorgekommen ist.

Langsam trudelten immer mehr Teilnehmer ein und wir waren ganz froh nicht die Einzigen mit einem Jimny zu sein. Insgesamt waren wir fünf Jimnys: vier GJ und ein FJ. Natürlich waren mehrere Landrover Defender (altes Model) dabei, Jeep Wrangler und verschiede Toyota Geländewagen. Diese bunte Mischung wurde in drei Gruppen aufgeteilt, die Jeweils einen Guide bekamen. Die Jimnys bildeten eine eigene Gruppe.

Kennenlernen des Geländes

Am Freitag war zwischen 16:00 und 18:30 Uhr ein wenig Theorie und das Kennenlernen des Geländes angesagt. Auch wenn es heute nur durch leichtes Gelände gehen sollte, war mir Anfangs doch etwas mulmig zu Mute, denn bisher war ich immer nur in eher leichtem Gelände unterwegs (Australien und Namibia) und noch nie mit meinem eigenen Wagen. So war ich auch darauf eingestellt, dass es zum einen etwas heftiger zur Sache gehen wird und zum Anderen, dass Timba durchaus ein paar Blessuren davontragen könnte. Grundsätzlich ist das Gelände aber so ausgelegt, dass jeder Geländewagen, der von den Veranstaltern des Trainings zugelassen wird, dieses auch bewältigen kann. Die Jimnys haben es durch ihren kurzen Radstand von nur 2250mm sogar wesentlich leichter als die größeren, schweren und wesentlich kräftigeren Geländewagen.

Das Gelände ist in verschiedene Schwierigkeitsgrade aufgeteilt und führt durch einen riesiges Waldgelände aber auch durch einen Bereich mit einer großen Sandgrube. Die Strecke ist anspruchsvoll und birgt durchaus die ein oder andere Herausforderung für die Fahrzeuge und die Fahrerinnen und Fahrer. Als wir dort waren, herrschte große Trockenheit und höchste Waldbrandgefahr, so dass zum einen die Passage für Wasserdurchfahrten als Löschwasserstelle sehr hochgefüllt war und deshalb jetzt für alle Fahrzeuge viel zu tief war und zum anderen auf dem Gelände auch keine Fahrten durch Schlamm möglich waren, weil gerade einfach kein Schlamm da war. Das war uns aber auch ganz lieb, und so wurde es ein ziemlich staubiges Wochenende.

Der Spaß fängt an

Es geht los. Allrad zuschalten, Geländeübersetzung rein und auf gehts. Unsere drei Gruppen fuhren nacheinander in das (leichte) Gelände ein, begleitet durch Anweisungen über Funk durch die Guides. Ok, dachte ich, solche Wege bin ich noch nie gefahren, aber es macht ziemlich viel Spaß. Langsam verlor ich die Angst, dass Timba ernsthaften Schaden nehmen könnte, auch wenn die Strecke nicht ohne war. Aber wenn man weiß wie es geht und merkt, dass es dem Fahrzeug überhaupt nichts ausmacht und das es sogar zu wesentlich mehr fähig wäre, bekommt man schnell den Kopf von eventuellen Zweifeln frei. Über Funk hörten wir immer mal, dass sich der ein oder andere „Große“ festgefahren hatte, aber die meisten inklusive aller Jimnys fraßen sich brav durch den Sand.

Erstmal auf den leichten Strecken etwas üben.
Erstmal auf den leichten Strecken etwas üben.
Nach kurzer Eingewöhnung fühlten sich Jimny, Fahrer und Beifahrer richtig wohl im Gelände.
Nach kurzer Eingewöhnung fühlten sich Jimny, Fahrer und Beifahrer richtig wohl im Gelände.
Natürlich waren nicht nur Jimnys mit beim Offroad-Training.
Natürlich waren nicht nur Jimnys mit beim Offroad-Training.

Die erste Nachtfahrt im Gelände

Nach dem Abendessen folgte eine Nachtfahrt durch das Gelände. Wir warteten bis es wirklich dunkel war und fuhren dann die gleiche Strecke wie am Tage. Endlich konnte ich auch mal meine fette Lightbar nutzen, wenn es nicht ganz klar war wo wir lang fahren mussten. Nach etwa einer Stunde waren wir wieder zurück und alle die dabei waren hatten echt viel Spaß. Jetzt mussten wir uns aber erstmal duschen und den ganzen Staub des Tages runter waschen. Timba dagegen verbrachte die Nacht, dreckig wie er war auf dem Parkplatz.

Sammeln zur Nachtfahrt beim Offroad-Training
Sammeln zur Nachtfahrt
Auch Nachtfahrten gehörten zum Offroad-Training
Auch Nachtfahrten gehörten zum Offroad-Training

Schweres Gelände

Am Samstag, unserem zweiten Tag, ging es in der Theorie zunächst um verschiedene Bergetechniken, die man anwendet wenn sich ein Fahrzeug mal festgefahren oder auf die Seite gelegt hat. Danach folgte die erste Fahrt durch schweres Gelände, mit der Absicht die Grenzen des Fahrzeugs auszuloten und sich auch mal gewollt festzufahren, was mir auch ein paar Male gelungen ist. Wir lernten auch wie mein einen Hügel, der unüberwindbar scheint, durch eine Technik bei der man mit wiederholtem an und abfahren den Sand so weit abträgt, bis man dann drüber kommt. Unser Timba musste ordentlich buddeln, aber letztendlich hat er es geschafft. Dafür durfte er anschließend ausgiebig in der großen Sandkiste spielen.

Auch das gewollte oder ungewollte Festfahren gehört zum Offroad-Training dazu
Auch das gewollte oder ungewollte Festfahren gehört zum Offroad-Training dazu…
...und manchmal half dann nur noch die Bergung mit der Seilwinde.
…und manchmal half dann nur noch die Bergung mit der Seilwinde.

Am Steilhang rückwärtes herunter fahren

Am Nachmittag lernten wir am „Hausberg“ wie man einen hohen, sehr steilen Hang hinauf fährt, ganz oben stoppt und rückwärts wieder sicher hinunter fährt. Wir lernten dabei, was zu tun ist, wenn man an einem Steilhang scheitert. In einer solchen Situation kann es durchaus passieren, dass man in Panik gerät, der Wagen aus der Spur kommt, sich möglicherweise quer stellt und schlimmstenfalls kippt.

Um das zu verhindert, sind sechs Schritte notwendig, die in der ungewöhnlichen Situation sitzen müssen.
Wenn du merkst, dass du nicht über den Hang kommst, dann

  • sofort Kupplung und Bremse treten
  • Motor ausschalten
  • Rückwärtsgang einlegen
  • Füße von Bremse und Kupplung nehmen (keine Angst der Wagen bleibt am Hang stehen)
  • in den eingelegten Gang starten (nicht die Kupplung treten)
  • mit der Motorbremswirkung den Hang herunterfahren

Keine Angst beim Starten in den eingelegten Gang. Den Ruck den man dabei erwartet gibt es bei den meisten Fahrzeugen nicht, beim Jimny war er minimal. Sollte die Motorbremswirkung nicht ausreichen, vorsichtig zubremsen. Lenkrad gerade halten und nur über die Rückspiegel nach hinten schauen (beim Schulterblick bewegt man des Lenkrad immer leicht).

Kurze Verschnaufpause, bevor es wieder auf die staubige Piste ging.
Kurze Verschnaufpause, bevor es wieder auf die staubige Piste ging.

Zweite Nachtfahrt im Gelände

Nach dem Abendessen stand unsere zweite Nachtfahrt an, diesmal durch das schwere Gelände, welches wir am Vormittag gefahren sind. Diesmal wurde sich etwas mehr festgefahren, als am Vortag. Auch bei mir sah es einmal so aus, als ob es nicht weiterging, aber Timba manövrierte uns brav durch jeden Hügel. Zum krönenden Abschluss des Tages konnte wer wollte, noch an der „Nachtfahrt Spezial“ teilnehmen. Dabei ging es in die umgekehrte Richtung durch das Gelände, was noch einmal eine echte Herausforderung war, da das Gelände dadurch ganz anders ausschaut.

Da wir dafür bereits zu müde waren und auch nichts riskieren wollten, verabschiedeten wir uns für den heutigen Tag.

Letzter Tag

Der Sonntag startete damit, dass unser Trainingsleiter einen, im von uns gemiedenen Wasserbecken, abgesoffenen Wagen per Seilwinde bergen musste. Es war kein Teilnehmer des Trainings, sondern ein Besucher des Motorsportzentrums, mit einem alten Suzuki Vitara. Dies war ein gutes Anschaungsbeispiel, wie Wasser einen Wagen, bzw. seinen Motor zerstören kann.

Nach dieser Theoriestunde durften wir unseren letzten Trainingstag mit einer Fahrt durchs Gelände mittels einer Roadmap fortsetzten. Wir bekamen dafür eine Roadmap mit Anweisungen, wie wir zu Fahren haben, um überall auf dem Gelände verteilte Checkpoints zu finden. An den Checkpoints musste jeweils eine Aufgabe gelöst und die Lösung aufgeschrieben werden. Nach solchen Roadmaps fährt man auch auf Gelände-Rallyes. Die Teilnehmer der besten Gruppe haben dabei einen Gutschein gewonnen.

Jetzt wird es schräg

Bei dem letzten Programmpunkt des Wochenendes ging es darum, den Kippwinkel unserer Fahrzeuge auszuloten und ein Gefühl dafür zu bekommen, wieviel Schräglage die Fahrzeuge überhaupt aushalten können. Die Fahrzeuge wurden dabei mit einer Seilwinde gesichert, damit sie nicht wirklich kippen konnten und fuhren dabei sehr langsam seitlich in Schräglage am Hausberg entlang. Beim Jimny wäre noch wesentlich mehr gegangen, das sah von Innen und erst recht von Außen noch nicht so spektakulär aus.

Fazit

Für mich als Fahrer, aber sicherlich auch für Gunnar als Beifahrer, war es ein sehr spannendes Abenteuer. Wir haben gesehen wozu der kleine Jimny in der Lage ist und das er sich vor den Großen im Gelände überhaupt nicht verstecken muss. Gesundheitlich hat Timba es auch gut überstanden, zwei kleine Blessuren sind schnell zu beheben, aber das gehört einfach auch dazu. Alles in Allem also eine großartige Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Zwar werden wir auf dem Weg zum Einkaufen oder zu Freunden hier nicht auf derartig heftiges Gelände stoßen, aber bei dem ein oder anderen Auslandsaufenthalt könnte das ja durchaus mal vorkommen.

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